Samiullah kehrt nach 7 Monaten intensivster Therapie zurück in seine Heimat.

Samiullah kehrt nach 7 Monaten intensivster Therapie zurück in seine Heimat.

Liebe Freunde,

am kommenden Donnerstag, den 22. Juli, kehrt der 14-jährige Samiullah, der kurz vor Weihnachten des letzten Jahres mit schweren Gesichtsverletzung von einem RobinAid-Team aus unserem Kabuler Kinderkrankenhaus „French Medical Institute for Children“ (FMIC) in die Universitätsklinik Lübeck geflogen wurde, nach erfolgreicher Behandlung durch Prof. Sieg und Team sowie, in der Rehabilitationsklinik Leezen, durch Prof. Frank und Team, wieder in seine Heimat nach Afghanistan zurück. Samiullah hatte das Schicksal besonders hart getroffen. Er erlitt vor etwas mehr als einem Jahr in Kabul einen schweren Autounfall, bei dem er sich schwerste, stark entstellende Gesichtsverletzungen und einen Bruch des rechten Unterschenkels zuzog. Mit diesen Verletzungen lag er zwei Monate in einem Kabuler Unfallkrankenhaus ohne dass man dort viel für ihn tun konnte. Als man Samiullah schließlich zum Sterben nach Hause schicken wollte, trugen ihn seine Eltern zu uns in das FMIC. Selbst uns bot sich damals ein Bild des Schreckens: Samiullahs rechte Gesichtshälfte war nicht nur nahezu vollständig zerstört, sondern überall lief der blanke Eiter aus seinen Wunden. Außerdem war Samiullah abgemagert bis auf die Knochen, denn durch die Verletzung des Kiefergelenks konnte er keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen.



einsatzjuli2010-b.jpgMehrere Wochen wurde Samiullah dann im FMIC vor Ort in Kabul behandelt, bis alle Wunden sauber, die Infektionen beseitigt waren und sich sein Allgemeinzustand stabilisiert hatte. Dann endlich stand das Wesentlichste für Samiullah an: Die plastisch-chirurgische Rekonstruktion seines Gesichtes. Da dies in unserem Kinderkrankenhaus in Kabul nicht zu leisten war, wurde der Junge zu Prof. Peter Sieg, Direktor der Klinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universitätsklinik Lübeck, kurz vor Weihnachten nach Deutschland geflogen. Sieben Monate intensivster Therapie, unzähliger operativer Eingriffe, Krankengymnastik, Logopädie und psychischer Betreuung liegen nun hinter Samiullah und der Erfolg dieser Strapazen ist eindrucksvoll. Neben dem kosmetischen Erfolg, der Samiullah vor einem stigmatisiertem Leben bewahrt, konnten alle wesentlichen Funktionen seines Gesichtes wieder hergestellt werden. Unser ganz besonderer Dank geht deshalb an die betreuenden Ärzte, Pflegkräfte und Therapeuten der Universitätsklinik Lübeck, der Helios Klinik Leezen sowie an die Samiullah aufopferungs- und liebevoll betreuende Familie Weiß aus Lübeck.

Gleichzeitig mit Samiullah wird Frau Dr. Mandana Chavooshzadeh, deutsch-iranische Zahnärztin aus Geesthacht, zu ihrem ersten Einsatz in das FMIC fliegen. Sie wird dort zweieinhalb Wochen die zahnmedizinische Versorgung unserer kleinen und großen Patienten übernehmen, Fortbildungen durchführen und eine Reihe von Materialien zur zahnmedizinischen Versorgung in das FMIC bringen.



Wir haben im Outpatient-Department (Notfallambulanz) des FMIC seit einiger Zeit einen komplett eingerichteten zahnmedizinischen Behandlungsplatz, der von einem afghanischen Zahnarzt betreut wird. Frau Dr. Chavooshzadeh wird sich dort einbringen und die dringend notwendige zahnmedizinische Versorgung der afghanischen Patienten vorantreiben. Bei den Patienten handelt es sich sowohl um Kinder wie Erwachsene, denn unsere Notfallambulanz ist für alle Altersstufen offen. Die zahnmedizinische Versorgung in Afghanistan ist bisher völlig unzureichend, der Zahnstatus der allermeisten Afghanen, auch schon der Kinder, desolat. Dies kann zu generalisierten Entzündungskrankheiten bis hin zu Endokarditiden (Entzündungen der Herzklappen) führen, die dann lebensbedrohend und häufig auch tödlich sind. Die Entwicklung der zahnmedizinischen Versorgung ist somit keine Luxusmedizin, sonder ein dringend notwendiger Bereich, der wesentlich zur Verhinderung schwerer Allgemeinerkrankungen beiträgt. Deswegen wird im FMIC auch dieses Behandlungsangebot aufgebaut und wir beteiligen uns mit unser Kollegin daran.



Ich werde ebenfalls mit zu diesem Einsatz fliegen, allerdings, bedingt durch wichtige Termine, schon am Montag, den 26.7. wieder zurückkehren. Da Frau Dr. Chavooshzadeh zum ersten mal in dieses Land geht und wir den Jungen bei uns haben, begleite ich sie, aber auch um mit unserem Kollegen Dr. Alexander Leis vor Ort wichtige Dinge in der Vorbereitung der nächsten Ausbildungskandidaten aus dem FMIC, die wir im Herbst in unsere deutschen Partnerkliniken holen werden, zu besprechen und für einige Tage an der medizinischen Arbeit im Operationssaal und auf der Intensivstation teilzunehmen.



Diese Woche ist durch die verschärfte Sicherheitslage, aufgrund der internationalen Afghanistan-Konferenz, ganz Kabul zu, es wird nicht gearbeitet, alles ist abgesperrt, die Innenstadt eine "green zone". Die einzigen permanenten Ärzte im FMIC sind unsere Kollegen Dr. Sabera Nassir, Dr. Jose Uroz Tristan und Dr. Alexander Leis. RobinAid Medical Board - Mitglieder garantieren die Aufrechterhaltung der Kontinuität der Behandlung im FMIC, unter hohem Sicherheitsrisiko und enormen persönlichem Einsatz. Dies ist beispielhaft für das Engagement von RobinAid und ich bin unseren drei Kollegen von Herzen dankbar, welche hervorragende Arbeit sie dort in einem schwierigen Umfeld leisten. So ist es für mich gerade in dieser Zeit ein wichtiges Zeichen der Solidarität, auch persönlich vor Ort in Kabul präsent zu sein und ich freue mich sehr, unseren Kollegen zur Seite stehen zu können.



Liebe Freunde, ich bitte Sie sehr, sehr herzlich, weiter in Ihrem Umfeld, Ihren Netzwerken und wo immer sich eine Gelegenheit bietet, auf unsere Arbeit hinzuweisen. Mehr denn je benötigen wir Spendengelder, um den Umfang unseres Engagements für die Kinder in Kabul vorantreiben zu können.

Haben Sie vielen Dank für Ihre Unterstützung.

So grüße ich Sie für heute ganz herzlich, verbunden mit den besten Wünschen für eine erholsame Urlaubszeit.


Ihr Matthias Angrés

 

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