Ein Zeichen der Hoffnung: Abdul Jobair

Ein Zeichen der Hoffnung: Abdul Jobair

Nach einjähriger Behandlungszeit in Deutschland kehrte am 26.5.2011 der 5-jährige Abdul Jobair zu seiner Familie nach Kabul zurück. Der kleine Patient musste im Johannes Wesling Klinikum Minden wegen eines Hirntumors sowohl operativ als auch mit einer langwierigen Strahlen- und Chemotherapie versorgt werden. Lesen Sie hier seine Geschichte und klicken Sie sich durch die Bildgalerie.

 

 

Erstmals kam der Junge im April 2010 in die Notaufnahme unseres Kabuler Kinderkrankenhauses, dem French Medical Institute for Children (FMIC). Er wurde von seinem Vater wegen anhaltenden Erbrechens, Kopfschmerzen und Gangstörungen vorgestellt. Schon beim Anblick des Kindes gab es eine schlimme Verdachtsdiagnose, die sich in der Computertomographie des Kopfes bestätigte: Abdul Jobair litt an einem Tumor der hinteren Schädelgrube.

 

Durch die Behinderung des Hirnwasserabflusses hatte sich bereits ein gefährlicher Wasserkopf gebildet. Mit diesem Befund war klar, dass nur eine Behandlung außerhalb Afghanistans das Leben dieses Jungen retten konnte. Weder das FMIC noch ein anderes Krankenhaus in ganz Afghanistan verfügen derzeit über die notwendigen Voraussetzungen für solche komplexen Therapien. Nach kurzer Fallbesprechung zwischen dem ärztlichen Leiter des FMIC, Dr. Alexander Leis und den im Medical Board von RobinAid verantwortlichen Fachkollegen PD Dr. Ulrich Knappe und PD Dr. Bernd Erdlenbruch wurde entschieden, den kleinen Patienten in das Johannes Wesling Klinikum nach Minden, Partnerkrankenhaus der Stiftung RobinAid, zu verlegen.

 

Während der Vorbereitung der Verlegung nach Deutschland verschlechterte sich der Zustand von Abdul Jobair durch den Anstieg des Drucks im Kopf (Zunahme des Hirnwassers) dramatisch. Der Junge geriet in akute Lebensgefahr. In einer Telekonferenz zwischen den Kinderchirurgen Dr. Jalil Wardak, Chef des Departments für Kinderchirurgie am FMIC in Kabul, seinem Oberarzt Dr. Tariq Rahimi und dem Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie des Johannes Wesling Klinikums in Minden, PD Dr. Ulrich Knappe wurde beschlossen, notfallmäßig einen Entlastungsschlauch (externe Liquordrainage) in den Kopf von Abdul Jobair einzubringen. Die Operation gelang und der Zustand von Abdul Jobair stabilisierte sich.


Wenige Tage später flogen der Anästhesist und Notarzt Dr. Matthias Angrés sowie die Kinderkrankenschwestern Ella Sudermann und Saskia Rauxloh nach Kabul. Nach Abschluss aller Vorbereitungen konnte die Verlegung nach Minden am 30. Mai 2010 erfolgen. Dank der Unterstützung der afghanischen und deutschen Behörden in Kabul, der Fluglinie Safi Airways und des Deutschen Roten Kreuzes Hamburg-Harburg, das für die Wegstrecke vom Frankfurter Flughafen nach Minden ein Notarztfahrzeug unentgeltlich zur Verfügung stellte, gelang der Verlegungsflug. Der Flug war anstrengend und mit sieben Stunden unendlich lang.
 

Nach der Landung in Frankfurt und drei weiteren Stunden Fahrt im Notarztwagen erreichten Abdul Jobair und das Begleitungsteam erschöpft, aber in stabilem Zustand, das Johannes Wesling Klinikum in Minden. Am nächsten Morgen, nach Durchführung weiterer Diagnostik, erfolgte in einer mehrstündigen Operation die komplette Tumorentfernung durch das Team um den Neurochirurgen PD Dr. Ulrich Knappe. Abdul Jobair überstand die Operation sehr gut. Die feingewebliche Untersuchung des Tumorgewebes ergab, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelte. Dies machte, entsprechend der internationalen Behandlungsprotokolle, eine Bestrahlungs- und Chemotherapie notwendig. PD Dr. Bernd Erdlenbruch, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, seine Oberärztin Frau Dr. Martina Rose und ein großes Team führten Abdul Jobair durch die nun folgende, mehr als 10-monatige, Therapie.


Anfangs gab es viele Komplikationen. Sie belasteten den Jungen (und seine Betreuer) sehr. Abdul Jobair überstand aber alle Tiefen der anstrengenden Behandlung. Dies wäre ohne die liebevolle Betreuung durch die Gasteltern, der Familie Ina und Jakob Löwen, des Pflege- und psychosozialen Betreuungsteams der Station E 22, der Unterstützung durch Frau Claudia Driftmann von der Selbsthilfe Kinderonkologie und vieler, vieler weiterer engagierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Johannes Wesling Klinikums Minden sowie der Stiftung RobinAid unmöglich gewesen. Während der ganzen Behandlungszeit bestand ein enger Kontakt zu der leiblichen Familie in Kabul. Regelmäßig trafen wir den Vater bei unseren medizinischen Einsätzen im FMIC, tauschten Fotos und Videobotschaften aus und berichteten eingehend über den aktuellen Behandlungsstand. So entstand auch eine tiefe Freundschaft zu der Familie von Abdul Jobair.


Am 25.5.2011 war es dann soweit: Nach erfolgreich abgeschlossener Behandlung trat Abdul Jobair den Heimweg an. Nach einem langen Flug über Dubai erreichten wir am nächsten Morgen Kabul. Wir konnten den Jungen Jobair gut an seine Familie übergeben, unsere Kinderkrankenschwester im Team, Ella Sudermann, begleitete ihn während der ersten Tage der Widereingliederung in seine Familie und half ihm so, die Anfangsschwierigkeiten (Sprache, Lebensbedingungen etc.) etwas leichter zu verarbeiten. Trotz der Armut veranstaltete Jobair’s Vater ein großes Fest zu Ehren der Rückkehr seines Sohnes, mehr als 250 Familienmitglieder kamen. Die Freude und Dankbarkeit waren überwältigend. Niemals werden sie vergessen, was man für sie getan hat. Ein besseres Zeugnis kann es nicht geben. Für uns als Team bewegende Momente, auch wir werden diese Eindrücke nicht vergessen und sind sehr dankbar, sie erlebt zu haben.


Wir haben den Jungen nun in das Nachsorgeprogramm unseres Kinderkrankenhauses aufgenommen, sehen unseren kleinen Patienten weiterhin regelmäßig und unsere Kollegen des FMIC berichten den behandelnden Kollegen im Klinikum Minden über den weiteren Verlauf. Die deutsch-afghanische Zusammenarbeit im Bereich dieses Projektes funktioniert hervorragend und beispielhaft. Das Überleben und die Genesung Abdul Jobair‘s waren nur durch dieses professionelle, internationale Netzwerk der Hilfe möglich. Seit Aufnahme des Jungen in unserem Kabuler Kinderkrankenhaus verlief die Behandlung „Hand in Hand“ zwischen den Kollegen in Kabul, Dr. Alexander Leis, Dr. Jalil Wardak und Dr. Tariq Rahimi sowie PD Dr. Knappe, PD Dr. Erdlenbruch und Frau Dr. Martina Rose als behandelnde Ärzte des Johannes Wesling Klinikums in Minden.

Dieser Verlauf zeigt, wie effektiv medizinische Hilfe über alle Grenzen hinweg sein kann.
Dafür bedanken wir uns sehr, sehr herzlich bei allen Beteiligten!


Die Behandlungskosten für diese lange und komplexe Behandlung sind sehr hoch. Sie werden zu 2/3 durch RobinAid und 1/3 durch die Mühlenkreiskliniken getragen und müssen durch Spenden finanziert werden.


Bitte helfen Sie uns dabei, damit wir unsere Arbeit fortsetzen können.
 

 
Zurück