(Alltäglicher) Einsatz im Kinderkrankenhaus FMIC in Kabul

(Alltäglicher) Einsatz im Kinderkrankenhaus FMIC in Kabul

Nach erfolgreicher Mission ist unser Team wieder aus Kabul zurückgekehrt. Lesen Sie hier den aktuellen Einsatzbericht und klicken Sie sich durch die Bildgalerie.


Nach langem Flug mit Zwischenstopp in Dubai erreichten wir am Morgen des 26. Mai 2011 Kabul. Wie immer wartete schon unser Fahrer am Flughafen, den wir nach den üblichen Einreisechecks mit mehr als 200 kg Ausrüstung aus Sicherheitsgründen zügig verließen. Wir, das waren Jamal Said, Apotheker aus Stade, Ella Sudermann, Kinderkrankenschwester aus Minden, Christian Büttner und Stefan Kempfen, Journalisten aus Berlin, der 5-jährige Abdul Jobair, der nach mehr als einem Jahr Behandlung im Johannes Wesling Klinikum in Minden wieder zu seiner Familie nach Kabul zurückkehren konnte sowie der Autor dieses Berichts, Dr. Matthias Angrés, Anästhesist und Intensivmediziner aus Hamburg.


Schon seit Stunden warteten in unserem Kabuler Kinderkrankenhaus, dem French Medical Institute for Children (FMIC), Abdul Jobair‘s Familie auf den Augenblick des ersehnten Widersehens. Unsere Kinderkrankenschwester im Team, Ella Sudermann, begleitete ihn während der ersten Phase der Widereingliederung (nach einem Jahr Behandlung in Deutschland) in seine Familie und half ihm so, die Anfangsschwierigkeiten (Sprache, Lebensbedingungen etc.) etwas leichter zu verarbeiten. Trotz der Armut veranstaltete Jobair’s Vater am darauffolgenden Freitag (das afghanische Wochenende) ein großes Fest zu Ehren der gesunden Rückkehr seines Sohnes. Mehr als 250 Familienmitglieder kamen. Die Freude und Dankbarkeit waren überwältigend. Niemals werden sie vergessen, was man für sie getan hat. Ein besseres Zeugnis kann es nicht geben. Für uns als Team bewegende Momente, auch wir werden diese Eindrücke nicht vergessen und sind sehr dankbar, sie erlebt zu haben.


Die uns begleitenden Journalisten haben viele beeindruckende, authentische Bilder aufnehmen können, nicht nur von unserer täglichen Arbeit im FMIC, sondern sie waren, Dank der tollen Hilfe unseres deutsch-afghanischen Kollegen Jamal Said (Mitglied des Medical Boards von RobinAid) an vielen Orten in Kabul unterwegs, die bisher nur wenige Journalisten gesehen haben: Ein Flüchtlingslager am Rande von Kabul, Innenaufnahmen des zerstörten ehemaligen Schlosses von Kabul, in der Familie von Jobair, in Kate’s House (unserem, dem FMIC angegliederten, kleinen Kinderheim, in dem Kinder von außerhalb Kabuls während der Zeit ihrer, zumeist langwierigen, Behandlungen, mit ihren Müttern oder Vätern leben), auf dem Marktplatz von Kabul während die Nachricht der Anschläge im Norden gerade die Stadt erreichten uvm. So waren die beiden mehr als zufrieden, ihre Erwartungen wurden weit übertroffen, sie haben viel zu berichten.


Ich habe mit unserem afghanischen (in Frankreich ausgebildeten) Herzchirurgen, Dr. Najeebulllah Bina, die Tage im OP (und die Nächte auf der Intensivstation) verbracht. Zusammen haben wir große Kinderherzchirurgie durchgeführt. „Total repairs“ (Totalrekonstruktionen) bei Kindern mit Fallot’scher Tetralogie (sehr komplexer Herzfehler mit insgesamt vier verschiedenen Anomalien) sowie VSD-Verschlüsse (Loch in der Trennwand zwischen den beiden großen Herzkammern). Die Patienten waren zwischen 6 und 15 Jahren alt, d.h. der Herzfehler (angeboren) bestand schon viele Jahre und dementsprechend vorgeschädigt war nicht nur das Herz, sondern der gesamte Zustand der Kinder (in Deutschland werden solche kleinen Patienten zwischen dem 6. und 12. Monat operiert). Es ist nahezu atmen beraubend (auch wenn das etwas nach Eigenlob klingt), dass wir solche schwierigen Operationen sowie die sich anschließende komplexe Intensivtherapie mittlerweile im FMIC (erfolgreich!) durchführen können, zwei solche Operationen pro Tag. Das Ganze in einem Land, dass sich mehr oder weniger immer noch im Kriegszustand befindet, mit einem extrem kleinen Team, mit vielen Defiziten in der Materialversorgung (Improvisation ist eben alles), an Kindern, die insgesamt viel kränker als vergleichbare Kinder in Deutschland sind. Dankbar sind wir an dieser Stelle der Fa. Abbott, die uns noch 10 Minuten vor Abflug in Hamburg am 25. 5. mit wichtigem Labormaterial für die Messung der Blutgerinnung während der Zeit an der Herz-Lungen-Maschine versorgt hat.


Eigentlich gute Nachrichten aus einem Land, das gerade während unseres Einsatzes durch beinahe tägliche Anschläge, getötete deutsche Soldaten etc. wieder für Negativschlagzeilen sorgte. Für uns besonders schlimm zu ertragen war, dass, während wir im Operationssaal um das Leben eines Herzkindes rangen, im Süden 12 Kinder durch US - Truppen irrtümlich getötet wurden. Einfach nur furchtbar, welch eine wahnsinnige Welt. Die Menschen leiden, die Angehörigen der deutschen Soldaten genauso wie die Familien der getöteten afghanischen Kinder.


Wir haben von der angespannten Sicherheitslage in unserem Krankenhaus nur wenig mitbekommen, die Anzahl der über Kabul kreisenden Militärhubschrauber wurde allerdings jeden Tag etwas größer. Gott sei Dank stellt das FMIC immer noch eine friedliche Oase der humanitären medizinischen Hilfe dar und genießt daher den Respekt aller Afghanen.


So vergingen die Tage sehr schnell und wir kehrten, erneut mit einem Zwischenstopp in Dubai, alle wohlbehalten wieder nach Deutschland zurück. Jeder von uns ist nach solch einem Einsatz voller bewegender Eindrücke, bringt immer wieder neue Erfahrungen mit. Der Weg zurück in das Leben in Deutschland fällt oft nicht leicht, stark sind mittlerweile die Verbindungen mit unseren afghanischen und internationalen Kollegen in Kabul. Wir alle arbeiten am gleichen Ziel: Das Leben in Afghanistan Stück für Stück besser zu gestalten.


Helfen Sie uns dabei, in dem Sie uns bei unserer Arbeit im Kinderkrankenhaus FMIC in Kabul unterstützen.


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